Elisabeth Neff Nachruf
Nachruf für Elisabeth Neff
Lehrerin in Schöndorf und Guttenbrunn
Dieser Nachruf erschien in der „Banater Post“ Nr. 20 vom 20. Oktober 2026, Seite 6
Ende August dieses Jahres erreichte uns die traurige Nachricht vom Ableben der bekannten Mathematiklehrerin Elisabeth
Neff, die über zweieinhalb Jahrzehnte lang den Schülerinnen und Schülern der Schöndorfer Allgemeinschule gedient hat.
Ihre ehemaligen Schützlinge und alle Schöndorfer, die sie kannten und erlebten, nahmen die Nachricht mit Bedauern und
Wehmut, mit Anteilnahme für die Hinterbliebenen, aber vor allem mit Bewunderung und Dankbarkeit für ihre
Lebensleistung auf. Elisabeth Neff wurde 1929 im benachbarten Guttenbrunn geboren, trat ihren Dienst an der Schöndorfer
Allgemeinschule als Zwanzigjährige an und sollte über 30 Jahre Schöndorferin bleiben, dort wohnen und arbeiten. Als
erfolgreiche Absolventin des Temeswarer Deutschen Lyzeums erhielt sie den Lehrauftrag in einer Zeit, als
nachkriegsbedingt Mangel an deutschsprachigen Fachlehrern herrschte. Von Anfang an bewies sie hohe fachliche
Kompetenz und pädagogisches Geschick. Die Ausbildung dazu und die formale Legitimation zur Ausübung des Berufs holte
die zupackende und zielstrebige Frau in einem Fernstudium an der Universität Klausenburg nach, das sie parallel zur Arbeit
in der Schule und den Aufgaben in Haushalt und mit der inzwischen gegründeten Familie durchführte. Elisabeth Neff wurde
von Schülern, Eltern und Kollegen für ihre beruflichen und menschlichen Qualitäten geschätzt, für die Geradlinigkeit in den
Ansichten und im Verhalten, für ihre verantwortungsvolle Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Diese erinnern sich
gerne an ihren Unterricht, gekennzeichnet durch die ansteckende Leidenschaft in der Vermittlung mathematischer
Kenntnisse, den Einsatz aktivierender Methoden vor dem Hintergrundeiner natürlichen Autorität, die Ausgeglichenheit und
Verlässlichkeit ausstrahlte. Das führte zum erfolgreichen Erwerb der Kenntnisse und der Entwicklung der Fähigkeiten, die
für so vieles notwendig waren: vor allem für den Übertritt in weiterführende Schulen, in einem Land, wo erfolgreiche
Lebenswege oft nur durch das Bestehen von Aufnahmeprüfungen garantiert waren, aber auch für die Bewältigung
lebenspraktischer Aufgaben, die einem im Alltag begegneten. Die Facetten der bildenden und erziehenden Arbeit von
Elisabeth Neff fügten sich zu einem Komplex wohltuender Einflussnahme auf die Heranwachsenden zusammen, wo alles
seinen Platz hatte: der solide Fachun-terricht, die zusätzlichen Hilfsangebote vor Prüfungen, die Beratung in Sachen
beruflicher Orientierung, die Klassenstunden, die nicht zur Ergänzung der Mathestunden zweckentfremdet wurden, sondern
erzieherische Fragen in den Mittelpunktstellten, das Einüben von Volkstänzen für die Schulfeste, die außerunterrichtliche
Freizeitgestaltung, zum Beispiel mit Radausflügen. Die Tagesarbeit fand ihre Fortsetzung in der Beteiligung am kulturellen
Dorfleben an der Seite ihres Ehemanns, des Lehrers Franz Neff. Mit ihrem soliden Wertekomplex war Elisabeth Neff nicht
bloß eine begnadete Lehrerin, sondern für viele auch Lebensvorbild
Bei allem erfüllten beruflichen Leben blieben Elisabeth Neff leidvolle Erfahren nicht erspart, viele davon bedingt durch das
Leben und Wirken unter den Umständen der kommunistischen Diktatur. Schon ihre Kindheit und Jugend waren geprägt von
den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit. Dazukam die Enteignung des Landbesitzes ihrer Familie sowie weitere
Brüche in Ihrer Biographie: im Zuge des Schrumpfens der deutschsprachigen Bevölkerung wurde 1975 die deutsche
Abteilung der Schöndorfer Schule aufgelöst, was zum Verlust ihrer vertrauten Arbeitsstelle führte und sie zum Wechsel und
täglichen Pendeln nach Guttenbrunn zwang. Als ihr Vater 1980 starb, durfte sie zu seiner Beerdigung nach Deutschland
reisen. Sie entschied sich, nicht mehr nach Rumänien zurückzukehren, in der Hoffnung, dass ihr Ehemann und die beiden
Kinder bald ausreisen dürften, was sich als langer und schwieriger gestaltet als erhofft. Auch ihre schulische Tätigkeit
konnte sie in Deutschland nicht nahtlos fortsetzen. Erst mit einem Ergänzungsstudium und einigen Anerkennungsprüfungen
erkämpfte sie sich die Übernahme in den staatlichen Schuldienst des Landes Baden-Württemberg. Trotz des gängigen
Vorurteils, dass zwischen dem rumänischen und deutschen Schulsystem Welten liegen, konnte Elisabeth Neff ihre Tätigkeit
als Lehrerin auch hier erfolgreich ausüben, denn sie brachte alles mit, womit eine fähige Lehrkraft überall punkten kann:
fundiertes Fachwissen, erprobtes didaktisches Rüstzeug, vor allem aber die Gabe, im Einklang mit eigenen Werten
authentisch zu sein und diese Überzeugungen unverstellt zu kommunizieren. Vierzehn Jahre lang unterrichtete sie noch
weiter bis zu ihrem Ruhestand. Das Lehrerehepaar Neff blieb im Leben der Schöndorfer weit über die gemeinsame Schulzeit
und das Lehrer-Schüler-Verhältnis hinaus präsent. Beide nahmen Einladungen zu Klassentreffen gerne an und waren als
Bürger der für die Banater Schwaben so wichtigen Stadt Ulm bei den dortigen Veranstaltungen, den großen Heimattreffen
und den Terminen im Donauschwäbischen Zentralmuseum gerne dabei. Stets nutzten sie die Möglichkeiten zu Begegnungen
mit ehemaligen Schülern und Dorfbewohnern. Elisabeth Neff gebrauchte in ihren Klassenstunden oft Weisheiten aus dem
Schatz der deutschen Dichtung, etwa die Goethe-Verse :
,,Willst du immer weiter schweifen? / Sieh, das Gute liegt so nah. / Lerne nur das Glück ergreifen, /Denn das Glück ist
immer da.“
So naheliegend mag das Glück und das Gute im Leben bei Elisabeth Neff und ihrer Familie nicht immer gewesen sein, aber
sie wusste es zu ergreifen. Sie selbst wurde zum Glücksfall für die Schöndorfer Schüler und für Schöndorf, wo sie ein Drittel
ihres Lebens gewohnt, gelebt und gearbeitet hat.
A. Seitz, für den Vorstand
der HOG Schöndorf
Elisabeth Neff (1929 - 2026)
Ein Glücksfall für die Schöndorfer Schüler